Wir trauern

 

Wir trauern um Johann Pauls

Der Gründer und langjährige Leiter der Bibel-Mission e. V. ist am 14. September 2018 vom Herrn heimgerufen worden. Er verstarb nach langer Krankheit im Alter von 86 Jahren.
In lebendiger Erinnerung bleibt die legendäre Persönlichkeit des hingebungsvollen Christen und Kämpfers für den Glauben, eines Lebens für den Dienst an Gott und den Menschen. Wie kein anderer hat Johann Pauls die Bibel-Mission geprägt, mit geistlichen Prinzipien den Grund gelegt, auf dem unser Missionswerk auch heute steht. Auf dieser Grundlage, davon sind wir überzeugt, konnte der Dienst der Bibel-Mission wachsen und können wir heute zur Ehre des Herrn dienen.
Wir danken Gott für einen solchen Diener! Unter seiner Leitung zu arbeiten, war ein wahres Vorrecht für jeden von uns. Auf Wiedersehen, Johann Pauls! Wir freuen uns darauf!

Ihr Team der Bibel-Mission e. V.

Nachruf

„Dem Gründer der Bibel-Mission/SEV Johann Pauls, der diese Organisation zu einem

internationalen Missionswerk formte,
dem Präsidenten, liebevoll „Chef“ genannt,
der ein Team von Mitarbeitern in aller Welt führte und prägte,
dem treuen und mutigen Diener, der sich ganz der Sache des Herrn widmete.“

Mit diesen Worten verabschiedeten wir als Mitarbeiter der Bibel-Mission Johann Pauls 1996
in den Ruhestand. Er liebte die kleine Tafel, auf der wir unserer Anerkennung und unserer
Dankbarkeit Ausdruck verliehen hatten. Zunächst bewahrte er sie in seinem Büro auf, später
an seinem Krankenbett. Sie mag nur ein kleines Zeichen unserer Wertschätzung für Johann
Pauls gewesen sein, dem wir alle viel zu verdanken haben, doch wenn sie ihn in den Jahren
seiner Krankheit auch nur ein wenig stärken und ihn liebevoll daran erinnern konnte, was
Gott durch ihn gewirkt hat, dann hat sie ihren Zweck erfüllt.
1931 in Sibirien (Russland) geboren, wurde die Familie durch den zweiten Weltkrieg
auseinander gerissen. Als Deutscher und Christ – und damit als „Feind der Sowjetmacht“ -
wurde Johanns Vater verhaftet und zum Tod durch Erschießen verurteilt. Später wurde das
Urteil in 10 Jahre Straflager umgewandelt. Johanns Mutter kam für sieben Jahre ins
Gefängnis. Das Haus der Familie wurde beschlagnahmt, und Johann und sein Bruder Jakob
litten auf der Straße unter Hunger und Kälte. Ein Buchhalter aus dem Dorf nahm die Jungen
schließlich auf. Johann erlernte den Beruf des Buchhalters und Kassierers. Während Jakob
sich früh bekehrt hatte, war Johann fern von Gott. Im Auftrag der Kommunisten war er an
der Verfolgung von Gläubigen beteiligt. Tag und Nacht betete Johanns Mutter für ihren
Jungen. Von schwerer Krankheit gezeichnet, sagte sein Vater zu ihm: “Johann, Johann, du
musst dein Leben ändern, du musst dein Leben mit Gott in Ordnung bringen. Nur Gott kann
dir helfen. Gott will dich in seinem Dienst gebrauchen.” Seine Mutter gab ihm schließlich
ihre ganzen Ersparnisse und schickte ihn nach Karaganda (Kasachstan), um ihm einen
Neuanfang zu ermöglichen. Hier begegnete Johann seiner zukünftigen Frau Erika, die er
1960 heiratete.

Durch die Gemeinschaft mit den vielen Gläubigen in ihrem Dorf fand Erika zum Glauben an
Jesus Christus. 1961 bekehrte sich auch Johann, und 1962 wurden beide gemeinsam getauft.
Johann war im Jugend- und Musikdienst der Gemeinde Saran aktiv. Im Untergrund druckte
er christliche Literatur, und gemeinsam mit anderen Brüdern schmiedete er Pläne, später
einmal in die Welt hinauszugehen, um das Wort Gottes zu verkündigen.
Doch zunächst zog die Familie nach Moldawien, wo Johann die Leitung der Gemeinde
Tiraspol übernahm. Auch hier war Johann am Bibelschmuggel beteiligt, wobei christliche
Literatur aus Rumänien in die Sowjetunion gebracht wurde.
1980 zogen Johann und Erika nach Deutschland zu ihrer Tochter Helene, die bereits früher
ausgereist war. Hier wurde Johann als Ältester der Gemeinde Detmold eingesetzt.
Johann verfügte über gute Kontakte zur Slawischen Evangeliums-Vereinigung (SEV) aus
Amerika, gegründet 1934 durch Peter Deyneka Sr. Auf Initiative der SEV begann Johann 1983
mit der Gründung eines Missionswerkes in Deutschland – der Bibel-Mission.
Die ersten Jahre waren echte „Handarbeit“. Johann reiste um die ganze Welt, um Kontakte
für die Arbeit zu knüpfen. Dazu kamen Reisen in die USA, nach Australien, Neuseeland,
Kanada und England. Bis zu 220 Tage im Jahr war Johann unterwegs. Die erste Kontaktliste
bestand aus 500 Missionsfreunden. Ziel war es, Bibeln und christliche Literatur in russischer
Sprache zu drucken und in die Sowjetunion zu schmuggeln. Die Schmuggelwege führten um
die ganze Welt.
Mit der Perestrojka und der Öffnung der Grenzen setzte eine Lieferung von christlicher
Literatur nie gekannten Ausmaßes ein. Unter dem Motto: Jeder Mensch hat ein Recht auf
eine Bibel wurden Bücherpakete per Post, später per Lkw und mit Zügen in die ehemalige
Sowjetunion gebracht.
Weitere Dienste entstanden – wie humanitäre Hilfsprojekte, sowie der Dienst der Fern-
Bibelschule, die Unterstützung von Missionaren, der Dienst in Kinder- und Altersheimen,
unter Leprakranken und in Gefängnissen.
In besonderer Weise prägte Johann Pauls die Struktur und Strategie des Dienstes der Bibel-
Mission. Missionsbüros entstanden in Almaty (Kasachstan), Moskau und Omsk (Russland)
Kiew (Ukraine), Minsk (Weißrussland) und später in Kischinjow (Moldawien). Bis heute dient
die Bibel-Mission nach dem Prinzip: Mit, für und durch die Gemeinden.
Für seinen Dienst in der Gründung und Leitung der Bibel-Mission wurde ihm die
Ehrendoktorwürde des Southwestern Baptist Theological Seminary (Fort Worth, TX) und der
Theologischen Seminare in Kiew und Odessa verliehen.
Die letzten Lebensjahre verbrachten Johann und Erika in Bielefeld. Kurz vor seinem 80.
Geburtstag erlitt Johann einen weiteren Schlaganfall (den sechsten). Er war rechtsseitig
gelähmt und litt unter dem Verlust der Sprache. Doch auch wenn er sich nicht mehr
ausdrücken konnte - seine Augen haben ihren Glanz nie verloren, und er freute sich über
jeden Besuch von Freunden und Verwandten. In seinem Buch „Seiten des Lebens“ hatte er
geschrieben: „Ich erinnere mich an die vielen Menschen, die ich im Laufe der Zeit auf allen
Kontinenten unserer Erde kennen gelernt habe. Ich habe den Wunsch, sie alle noch einmal
wieder zusehen. Da es aber nicht möglich ist, wünsche ich mir, sie alle in der Ewigkeit zu
sehen, beim Herrn, fern von Sünden.“ Diesen Wunsch hat ihm der Herr jetzt erfüllt. Johann
hinterlässt eine Tochter mit Ehemann, drei Enkel und vier Urenkel.

„Chef“ haben wir Johann Pauls genannt – im Scherz und doch mit Achtung vor einer
Persönlichkeit, die Gott in besonderer Weise gebrauchte. Johann Pauls war der „Chef“. Mit
der ihm eigenen Energie und Leidenschaft, rastlos, wenn nötig mit klaren Worten und
gerecht führte er die Mitarbeiter unserer Missionsbüros in der ehemaligen Sowjetunion, die
unter seiner Leitung entstanden waren. „Chef“ war allen und in jeder Sprache verständlich –
im Deutschen, wie im Russischen.
Nie hat der „Chef“ vergessen, wer der Herr über sein Leben war, wer ihn gerettet und ihn
gebraucht hat, damit Menschen Gottes Wort erhalten und Jesus liebgewinnen können. Sie
alle darf Johann Pauls jetzt sehen und gemeinsam mit ihnen den Herrn und Retter preisen.

Die Beisetzung findet am Freitag, dem 21.09.2018, um 12:00 Uhr auf dem Friedhof
Stieghorst in Bielefeld (Schneidemühler Str. 41, 33605 Bielefeld) statt.

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