God's moments

 

Albert Froese, Missionsleiter BM Deutschland

Nie werde ich diesen Morgen vergessen. Im Büro im Kinderheim von Saran, Kasachstan, in dem ich als Leiter diente, lief ich ruhelos auf und ab. Wie betäubt vor Sorge schrie ich zu Gott, doch mein Beten war ein einziges Hadern mit Ihm, war ein verzweifelter Vorwurf, den ich Gott unter Tränen vorlegte. „Herr, warum lässt du das zu? Ich hab doch alles getan, was du wolltest. Lydia und ich, wir beide wollten dir gehorsam sein und dir hier dienen. Warum muss das jetzt geschehen? Ich verstehe dich einfach nicht!“

Immer wieder versuchte ich, das Geschehene gedanklich in eine Reihenfolge zu bringen. 

Lydia, meine Frau, war ins Krankenhaus eingeliefert worden. Wir hatten uns riesig auf die Geburt unseres zweiten Sohnes gefreut. Alles war normal verlaufen, und gemeinsam hatten wir Gott für dieses Geschenk gedankt und unseren Sohn Eric genannt.

Doch am nächsten Morgen hatte Lydia in aller Frühe angerufen und weinend von schlimmen Schmerzen im Bein berichtet, die sie nicht mehr aushalten könne. Ich hatte einen Arzt ausfindig gemacht, der mir mitgeteilt hatte, dass Lydia auf dem Weg in den OP sei. Die Lage sei sehr ernst. Ich hatte weiter telefoniert und schließlich eine Kinderärztin erreicht, die mir weitere Auskünfte gegeben hatte. Es sei eine Thrombose. Ein Thrombus hätte sich gelöst, und es müsse dringend operiert werden. Seither hatte Stille geherrscht, keine weiteren Anrufe. Warten. Schließlich war ich ins Büro gekommen, und hier rang ich nun mit meiner Panik.

Sollte ich mit zwei kleinen Söhnen etwa schon Witwer werden? Das konnte doch alles nicht wahr sein! Und wieder dieser Vorwurf an Gott: „WARUM? Ich hab doch so viel für dich aufgegeben?!“ Doch dann diese Stimme in meinem Herzen, Seine Stimme: „Mein Sohn, ich habe viel mehr für dich aufgegeben. Bist du bereit, ALLES für mich zu geben?“ Ich weiß nicht mehr, wie lange dieses Ringen und Beten anhielt, diese Zwiesprache mit Gott, doch schließlich sagte ich: „Herr, wenn du willst, dann nimm sie (Lydia). Dein Wille geschehe.“ Wie krass – obwohl dies der schwerste Moment meines Lebens war, in dem ich mich Gott einfach ergeben musste, in der Bereitschaft, Ihm wirklich ALLES abzugeben, empfand ich sofort nach dieser Entscheidung tiefen, bisher nie gekannten Frieden.

Mitarbeiter des Kinderheimes klopften an die Tür, wollten helfen, und gemeinsam standen wir an jenem Morgen auf Knien und beteten.

God’s moments sind nicht immer Höhen.
Es sind oft die Täler, die uns zeigen, dass die vierte Person,
Gott selbst, bei uns im Feuerofen ist.

Später am Tag kam der Anruf aus dem Krankenhaus: „Die OP ist gut verlaufen, kommen Sie zu einem Gespräch.“ Die behandelnde Ärztin, eine bekannte Chirurgin, empfing mich mit den Worten: „Junger Mann, ich möchte Ihnen sagen: Gott liebt Sie sehr! Wäre Ihre Frau gestern nach Hause zurückgekehrt, wäre sie gestorben. Ihr guter Zustand nach der Geburt hat ihr das Leben gerettet. Weil ihr Blutdruck gut war und sie umherlaufen konnte, um anderen Müttern nach der Entbindung ein wenig zur Seite zu stehen, hat sie den Schmerz bemerkt und wir konnten noch rechtzeitig eingreifen. Ansonsten wäre in der Nacht der Tod eingetreten. Das hat Gott getan, eindeutig! Nehmen Sie das Kind mit, und wir werden uns bemühen, Ihre Frau zu retten.“ – Worte einer Ärztin, die nicht an Gott glaubte!

Für Lydia und mich war dieses Wunder, das Gott mit uns vollbracht hatte, die eindeutige Bestätigung von Ihm: ich will euch an diesem Ort gebrauchen, und ich werde bei euch sein, solange ihr an mir festhaltet.

Wir hatten das Tal durchschritten.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, wie wichtig es ist, mit Gott per Du zu sein, wenn es richtig dunkel wird. Dann, wenn du nichts mehr tun kannst, wenn du Ihn am meisten brauchst, und wenn es dir am schwersten fällt, Seinen Willen anzunehmen. God’s moments sind nicht immer Höhen. Es sind oft die Täler, die uns zeigen, dass die vierte Person, Gott selbst, bei uns im Feuerofen ist.

Als wir nach 12 Jahren Dienst auf dem Missionsfeld Kasachstan nach Deutschland zurückkehrten, war das übrigens meine größte Angst: diese Nähe zum Herrn zu verlieren, die Erfahrung Seiner Nähe im dunkelsten Tal, und schließlich egozentrisch zu werden. Lydia und ich beten dafür, dass Gott uns immer diese Bereitschaft erhält, Seinen Willen anzunehmen, Ihm ALLES zu geben und auf Seine Gnade zu vertrauen.

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