Eine Lektion in Gottvertrauen

 

Irgendwie hatten wir uns diesen Baueinsatz ganz anders vorgestellt.

In der Vorbereitung hatten wir uns um eine gründliche und realistische Planung bemüht. Unser Einsatz sollte Anfang Juni in Ardon erfolgen, einer Stadt in Ossetien. Dort brauchte die kleine Ortsgemeinde dringend ein Gebetshaus. Auch wollten wir die Geschwister stärken und unterstützen, denn sowohl von der Orthodoxen Kirche, als auch von Muslimen schlägt ihnen viel Widerstand entgegen.

Missionar Chermen, der die Gemeinde leitet, war erst vor kurzem verhaftet worden. Auf diese Bedingungen hatten wir uns eingestellt und wollten den Geschwistern in Ardon mit der Kraft unserer Hände helfen. 12 Tage waren für die Errichtung des Rohbaus (mit Dach) vorgesehen. Jeden der acht Teilnehmer, von denen viele zum ersten Mal dabei waren, hatte ich auf seine Aufgabe vorbereitet. Von unserer Heimatgemeinde in Gummersbach waren wir mit einem Segensgebet verabschiedet worden, bevor wir zum Flughafen Düsseldorf fuhren. Über Istanbul sollte es nach Ossetien gehen, und hochmotiviert machten wir uns auf den Weg. Was konnte jetzt noch schiefgehen?

Doch schon der Abflug erfolgte aufgrund eines technischen Problems mit fast 9 Stunden Verspätung. In Istanbul hatten wir den Anschlussflug nach Ossetien verpasst, und wir erfuhren, dass wir erst Mittwoch Nacht weiterfliegen könnten. Doch jetzt war Sonntag, und wir saßen in Istanbul fest. In 12 Tagen, so überlegte ich, hätten wir locker alles geschafft. Doch nun würden wir eigentlich nur noch sieben Arbeitstage nutzen können. Während ich noch versuchte, den Teilnehmern zu vermitteln, dass alles klappen würde, besonders den „Neuen“, hatte ich selbst schon große Bedenken. Wie konnte das alles sein? Wir hatten um Seinen Segen gebeten, wollten Ihm dienen, warum ging jetzt alles schief?

In den Tagen dieser erzwungenen „Auszeit“ in Istanbul wurde mir klar, dass ich Gott meinen Plan abgeben musste. Erst, als ich es geschafft hatte, die Planung in Seine Hände zu legen, konnte ich die Tage in Istanbul aushalten und für das Team eine Ermutigung sein: Er macht keine Fehler, Er kennt das Warum, und Er wird für uns sorgen.

In Ardon wurden wir von extremen Regenfällen empfangen. Schon seit Tagen, so erfuhren wir, hatte es unaufhörlich gegossen. Das war eine erste Antwort Gottes für mich. Auch bei planmäßiger Ankunft hätten wir also mit dem Bau nicht beginnen können. Am Tag unserer Anreise hörte der Starkregen auf. Es war, als würde Gott uns sagen: nun geht ans Werk, ich habe alles vorbereitet! Wir arbeiteten ruhig und zielstrebig. Alles lief reibungslos, und vor allem hatten wir eine wunderbare Gemeinschaft im Team und mit den lieben Geschwistern der Ortsgemeinde, die uns nach besten Kräften unterstützten.

Wie oft saßen wir am Abend mit ihnen am Lagerfeuer, und sie erzählten aus ihrem Leben als Christen in Ardon. Fast beschämt erfuhren wir, dass keiner von ihnen eine feste Arbeitsstelle hat. Mit Gelegenheitsjobs versuchen sie, ihre Familien zu versorgen. Trotz vieler Anfeindungen durch die Bevölkerung gehen sie hinaus und tragen ihr Glaubenszeugnis zu den Menschen, auch zu den Muslimen. In ihrem Umfeld sind sie die erste Generation von Christen. Es war wunderbar, mit ihnen zu beten und von ihnen zu lernen.

Im Laufe der Arbeitstage nahm uns Gott auch die letzten Zweifel. Er hatte alles im Griff. Zudem stand unsere Heimatgemeinde unablässig im Gebet hinter uns. Nach sieben Tagen (statt wie geplant nach 12 Tagen) konnten wir Gott für Sein Werk preisen! Der Rohbau stand, mit Dach! Ein Wunder!

Das Bauteam, das dann nach Gummersbach zurückkehrte, war ein ganz anderes: wir waren demütig dankbar, gefüllt mit Segen, von Gott gebraucht und verändert. Jeder will auch im nächsten Jahr wieder dabei sein. Und als ganze Gemeinde sind wir mit den Geschwistern in Ardon eng verbunden, beten füreinander und freuen uns darüber, dass das neue Gebetshaus im Oktober eingeweiht wurde. Ehre sei Gott für Sein Wirken!

Eduard Freitag
Leiter des Bauteams aus Gummersbach

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